Adrian Hasler im Interview

Regierungschef des Fürstentums Liechtenstein

Herr Regierungschef, die Argus Sicherheitsdienst AG feiert dieses Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Während Ihrer früheren Tätigkeit als Polizeichef hatten Sie sicherlich das eine oder andere Mal mit dieser Unternehmung zu tun. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zusammenarbeit?

Adrian Hasler: In meiner früheren Tätigkeit als Polizeichef hatte ich regelmässig mit der Firma Argus Sicherheitsdienst AG zu tun. Ich habe sehr gute Erinnerungen an diese Zusammenarbeit, sowohl mit der Firma als auch mit Wolfgang Marxer selbst. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, als wir mit der Landespolizei das Unternehmen besichtigen durften. Ich war tief beeindruckt von der hohen Professionalität und dem breiten Spektrum an Dienstleistungen, welche von Argus angeboten werden.

Welche Bedeutung haben private Sicherheitsfirmen generell für die Landespolizei? Welche Schnittstellen gibt es, die für die Polizei von Bedeutung sind?

Adrian Hasler: Für die öffentliche Sicherheit ist primär die Landespolizei zuständig. Sie ist die zentrale Sicherheitsbehörde in unserem Land. Unterstützt wird die Landespolizei im Thema ‹ Sicherheit › auch von privaten Sicherheitsfirmen wie beispielsweise der Argus. Dies zeigt sich sehr gut am Beispiel von öffentlichen und grösseren privaten Veranstaltungen. Hier werden in der Regel private Sicherheitsfirmen beauftragt, um für die Sicherheit vor Ort zu sorgen. Dazu gehören beispielsweise die Parkierung und die Zutrittskontrolle. Allerdings ist auch klar, dass diese privaten Sicherheitsfirmen nur begrenzte Kompetenzen haben. Ist bei einem akuten Vorfall Zwang notwendig, um Anordnungen durchzusetzen, wird die Landespolizei gerufen, denn diese hat viel weitergehendere Eingriffsmöglichkeiten.

Heute sind Sie Regierungschef Liechtensteins und damit mitverantwortlich für die Innere Sicherheit. Wie beurteilen Sie die Innere Sicherheit in Liechtenstein im Allgemeinen?

Adrian Hasler: Es scheint unbestritten, dass sich die Bedrohung durch Terroranschläge auch in Europa erhöht hat. Regelmässig lesen wir von Attentaten an Orten, die wir auch schon besucht haben. Diese Entwicklung vermittelt uns das Gefühl, dass die Welt zunehmend unsicherer wird. Blickt man auf Liechtenstein, dann bin ich der Meinung, dass wir nach wie vor in einem sehr sicheren Land leben. Als Kleinstaat im Herzen von Europa leben wir in überschaubaren Verhältnissen. Wir können uns Tag und Nacht frei bewegen, auch als Politiker. Unsere Kinder gehen ohne Begleitung in die Schule oder zum Verein. Man kennt sich noch und achtet aufeinander, was ein grosser Vorteil ist. Das heisst aber nicht, dass wir keine Hausaufgaben haben. Auch wir müssen uns auf die aktuellen Entwicklungen einstellen.

Auch wenn die Kriminalitätsrate in Liechtenstein im Grossen und Ganzen konstant ist, hat sich in den letzten Jahren die internationale Situation wegen verschiedener Terroranschläge verändert. Ist Liechtenstein gefeit vor solchen Anschlägen und welche Massnahmen hat das Land diesbezüglich ergriffen?

Adrian Hasler: Kein Land ist gefeit vor solchen Anschlägen. Um die Sicherheit auch in Zukunft zu gewährleisten, ist es wichtig, die internationalen Entwicklungen eng zu verfolgen und mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen. Um dies sicherzustellen ist es notwendig, sich mit ausländischen Behörden gut zu vernetzen. Liechtenstein ist hier gut aufgestellt. Die Mitgliedschaften bei Interpol, Europol sowie Schengen-Dublin sind wesentliche Pfeiler unserer internationalen Polizeikooperation. Damit ist Liechtenstein Teil dieser Sicherheitsarchitektur und wird über kritische Entwicklungen und mögliche Gefahren rechtzeitig informiert. Ein weiteres Thema ist die Sicherheit bei Grossanlässen. Hier wird das Sicherheitsdispositiv laufend auf die neuen Risiken angepasst.

Kommt diesbezüglich privaten Sicherheitsfirmen eine Rolle zu?

Adrian Hasler: Ja, die privaten Sicherheitsfirmen sind Bestandteil dieses Sicherheitsdispositivs. Die Landespolizei ist auf die Unterstützung privater Sicherheitsfirmen angewiesen, um die Sicherheit in Liechtenstein auf diesem hohen Niveau zu gewährleisten. Ein gutes Beispiel ist der Staatsfeiertag. An diesem Grossanlass arbeitet Argus eng mit der Landespolizei zusammen und unterstützt diese, um die Sicherheit zu gewährleisten. So sorgt beispielsweise Argus am Staatsfeiertag für die Zutrittskontrolle in den Rosengarten und unterstützt die Landespolizei im Städtle in Vaduz. Diese Zusammenarbeit funktioniert schon seit Jahren sehr gut.

Zum Dienstleistungsangebot der Argus Sicherheitsdienst AG gehört die Bewachung von Liegenschaften. Welche Bedeutung hat der Bewachungsdienst auf die eher niedrige Kriminalitätsrate in Liechtenstein? Ist er sogar ein Pfeiler davon, dass man in Liechtenstein relativ sicher leben kann?

Adrian Hasler: Ich denke, dass die Bewachung von Liegenschaften durch private Sicherheitsfirmen sehr wohl einen wichtigen Beitrag zum Sicherheitsgefühl der Bevölkerung beiträgt. Die uniformierten Mitar51 beiterinnen und Mitarbeiter der Argus werden in der Öffentlichkeit landauf, landab wahrgenommen. Dies hat sicher auch eine präventive Wirkung und kann unter Umständen sogar Straftaten verhindern. Auch in diesem Bereich kann von einer Partnerschaft zwischen Landespolizei und den privaten Sicherheitsfirmen gesprochen werden.

Lassen Sie uns noch einen Blick in die Zukunft werfen. Wie wird sich die Zusammenarbeit oder die Partnerschaft zwischen der Landespolizei und privaten Sicherheitsfirmen in Zukunft entwickeln?

Adrian Hasler: Ich denke, dass das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung in Zukunft weiter zunehmen wird. Dies führt dazu, dass vermehrt Sicherheitsdienstleistungen nachgefragt werden, sowohl für die Vielzahl an privaten und öffentlichen Veranstaltungen wie auch für den Privatbereich. Sicherheitsfirmen wie Argus können hier einen wesentlichen Beitrag leisten. Ich gehe deshalb davon aus, dass sich die Partnerschaft zwischen Landespolizei und den privaten Sicherheitsfirmen fortsetzen und gegebenenfalls sogar intensivieren wird.

Digitalisierung ist momentan nicht nur bei uns ein Kernthema der Politik. Wird die Digitalisierung auch den Sicherheitsbereich tangieren und wie wird er sich verändern?

Adrian Hasler: Die Digitalisierung wird den Sicherheitsbereich auf mehreren Ebenen verändern. Nebst der Zielsetzung, mit eGovernment möglichst alle Prozesse digital anzubieten, besteht die grosse Herausforderung darin, die Sicherheit der vorhandenen Daten zu gewährleisten. Der Staat muss die aktuellen Entwicklungen beobachten und notwendige Massnahmen hinsichtlich Datenschutz und Datensicherheit umsetzen, um die Rechte und Freiheiten der Bevölkerung auch im Netz zu schützen. Neue Technologien werden aber auch dazu führen, dass neue Produkte im Sicherheitsbereich entstehen. Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass wir mit dem Handy die eigene Wohnung aus der Ferne überwachen können?

Könnte diese Entwicklung bezüglich Digitalisierung dazu führen, dass der Staat vermehrt Aufgaben an private Sicherheitsunternehmen auslagert? Oder führt sie eher dazu, dass die Landespolizei vermehrt Aufgaben selbst erfüllen kann, da sich mit den neuen technischen Möglichkeiten auch die Effizienz erhöht?

Adrian Hasler: Ich bin davon überzeugt, dass sich mit dem Einsatz von neuen Technologien die Effizienz erhöhen lässt. Ich denke aber nicht, dass dies dazu führt, vermehrt Aufgaben an private Sicherheitsunternehmen auszulagern. Der Sicherheitsbereich ist ein sehr sensibler Bereich und die Aufgaben der Landespolizei sind per Gesetz geregelt. Es handelt sich um hoheitliche Funktionen, die nicht ohne Weiteres an Private delegiert werden können.

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