Beitrag von Dr.-Ing. Horst Peter Wurm

Wurm GmbH & Co. KG Elektronische Systeme Remscheid

1997 hörte ich zum ersten Mal von Argus in Liechtenstein: Andres Hegglin, Geschäftsführer der damals neu gegründeten Wurm ( Schweiz ) AG, riet zum direkten Kontakt unserer Entwickler in Deutschland mit Argus. Anlass dafür waren vermehrte Alarm-Aufschaltungen aus Schweizer Supermärkten, aus denen sich andere Anforderungen an die Wurm-Software ergaben. Die seitdem erfolgreiche enge Zusammenarbeit hatte eine durchaus interessante Vorgeschichte:

Wurm ist ein Familienbetrieb in vierter Generation. Urgrossvater und Grossvater haben im Bergischen Land früher Sägen produziert. In Remscheid, 50 km östlich von Köln gelegen, war die Werkzeugherstellung Tradition. Ende der 1950er-Jahre, als die Sägenproduktion keine Zukunft mehr hatte, begann mein Vater mit dem Bau kleiner Schaltverteiler. Das neue Geschäftsfeld entwickelte sich erfolgreich, sodass die Sägenherstellung 1965 endete. In den 1970er-Jahren hatte Wurm viel Erfolg und bereits 20 Mitarbeiter. Infolge der zweiten Ölkrise reduzierten sich die allgemeinen Investitionen aber erheblich und damit auch die Schaltschranknachfrage, sodass mein Vater mich 1983 bat, ins elterliche Unternehmen zu kommen, um die Chancen auf Neugeschäft durch elektronische Systeme zu erhöhen.

Nach einigen Fehlschlägen bekam ich Kontakt zu einem Hersteller von Supermarkt-Kühlmöbeln, der Interesse an einer modernen elektronischen Kühlstellenregelung hatte. Ohne Vertrag und Preisvereinbarung entwickelte ich in drei Monaten den Prototyp eines Reglers mit Mikroprozessor zur Demonstration. Der potenzielle Kunde war jedoch inzwischen verkauft worden – und der neue Inhaber nicht an Elektronik interessiert. Es folgte das mühsame ‹ Klinkenputzen › bei den Kälteanlagenbauern. Jeder hatte neue Wünsche an den Regler, doch ein Geschäft entwickelte sich nicht daraus. Der Wendepunkt kam mit der IKK 1885. Ein Schweizer Ingenieurbüro lud mich ein, den Regler in der Schweiz zu präsentieren. Die damals innovative externe Bedienung mit einem Handgerät und der Mikroprozessorsteuerung überzeugte – so sollte der Regler grossflächig zum Einsatz kommen. Endlich gab es erste Erfolge. 1988 war unsere Regelung bereits bei über 20 Schweizer Supermärkten in Betrieb. Zugleich wollte die Migros Zürich als erster Lebensmittelhändler in Europa Kühlanlagendaten und Alarme über Modem auf einen PC in die Zentrale übermitteln.

Zusammen mit unserem Schweizer Kollegen Urs Winterberg entwickelten wir nun die Technik zu Frigodata. 1990 wurde Migros Zollikon, oberhalb des Zürichsees gelegen, aufgeschaltet und über Modem in die Zentrale übertragen. Erstmals waren Temperaturen und Alarme auf einem Bildschirm sichtbar. Die Software ( noch mit MS-DOS ) wurde schnell ein grosser Erfolg. Bis 1995 gab es in der Schweiz mehr Märkte mit Fernüberwachung als in Deutschland. Mit einem inzwischen 40-köpfigen Team in Remscheid wurde es Zeit für eine Neuentwicklung: Windows95 als Betriebssystem kam auf den Markt und wir kurze Zeit später mit Frigodata95. Die neue Software bot eine leistungsfähige Grafik und ein ausgefeiltes Alarmmanagement.

In enger Abstimmung mit den Kältetechnikern entwickelten wir die Technik weiter: Sämtliche Messdaten wurden übertragen. Auch technische Störungen wie Überdrücke, Unterdrücke, Ölmangel, Kältemittelmangel oder Fühlerdefekte gingen erst über Pager, später per SMS direkt zu den Servicemonteuren. Diese überprüften dann mit Frigodata, ob ein Alarm kritisch oder unkritisch war, sogar in der Nacht und am 123 Beitrag von Horst Peter Wurm Wochenende! Argus erschloss daraus ein neues Geschäftsfeld und übernahm für die Kältefirmen die Bedienung von Frigodata95 sowie die erste Beurteilung der Alarme. Monteure mussten somit nur noch in kritischen Fällen zur Anlage ausrücken. Als wir Argus 1997 kennenlernten, waren dort schon 100 Anlagen aufgeschaltet. Unsere Software wurde dort mit einem so rasanten Tempo bedient, dass wir sie in Remscheid entsprechend optimieren mussten. Damit begann eine enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Argus.

Etwa zeitgleich begann eine Abkehr von konventionellen Kältemitteln, die sowohl die Ozonschicht als auch das Klima schädigten. Nach ersten Anlagen mit indirekter Kühlung investierte der Lebensmittelhandel in der Schweiz ab 2004 in die ersten Kälteanlagen mit dem natürlichen Kältemittel CO2. Die zunehmende Komplexität der Anlagen sowie der Anstieg von Alarmzahlen und Interpretationsbedarf stellten Anlagenbauer, Servicepersonal und auch Argus vor neue Herausforderungen. Die Modemtechnologie konnte die Performanceansprüche kaum noch erfüllen. Stattdessen setzte sich die verschlüsselte Kommunikation über das Internet allmählich durch. Wurm war führend in der Entwicklung dieser neuen Technologie. Mit der zunehmenden Internationalisierung von Argus wurde die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem inzwischen 100 Mann starken Wurm-Team auch in Deutschland und Österreich ausgebaut.

Bislang hatten Monteure unterwegs Laptops mit installiertem Frigodata genutzt. Deren Leistungs- fähigkeit wurde jedoch inzwischen von Tablets und Smartphones fast erreicht. Gleichzeitig wuchs für die Kälteanlagenbauer der Aktualisierungsaufwand für Softwarelizenzen, Betriebssysteme, Anlagendaten und Virenschutz auf den vielen Geräten. Argus investierte daher erheblich in modernste Informationstechnologie und kompetentes Personal. Dies eröffnete dem Montage- und Servicepersonal der Kältefirmen eine Alternative der Virtualisierung: Frigodata läuft in gesicherter Umgebung bei Argus im Rechenzentrum, der Zugriff erfolgt über Laptops oder Tablets in einer Art Fernbedienung. Parallel entwickelte Wurm die Smartphone-App Frida ( Abkürzung für Frigodata ). Die App ermöglicht den komfortablen Zugriff von unterwegs und das Monitoring von Anlagenzuständen und Störungen im Markt. Obwohl die erste Datenfernübertragung eines Schweizer Lebensmittelmarktes 30 Jahre zurückliegt, ist die Technologie heute auf dem neuesten Stand der Technik, um den uns viele Branchen beneiden. Der nächste Schritt wird konsequenterweise die Nutzung künstlicher Intelligenz sein, um aus den immer komplexer werdenden Anlagen die zielgerichteten Informationen sowohl für Alarmdienstleister als auch für das Servicepersonal der Kältefirmen bereitzustellen. Von den heute 240 Mitarbeitern bei Wurm sind aktuell fünf mit dieser zukunftsweisenden Aufgabe im Bereich Data Analytics betraut. Auch hier arbeiten wir vertrauensvoll mit Argus zusammen. Es ist mir deshalb eine Ehre, Argus zum 50-jährigen Bestehen und zu der wegweisenden und innovativen Ausrichtung des Unternehmens herzlich zu gratulieren und für die 20 zurückliegenden Jahre gemeinsamer Arbeit zu danken. Wir freuen uns auf eine spannende Zukunft.

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